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Raphaela Edelbauer

Författare till The Liquid Land

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Om författaren

Foto taget av: Die österreichische Autorin Raphaela Edelbauer auf der Wiener Buchmesse 2019. By Bwag - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=83801235

Verk av Raphaela Edelbauer

Taggad

Allmänna fakta

Vedertaget namn
Edelbauer, Raphaela
Födelsedag
1990
Kön
female
Nationalitet
Österreich
Land (för karta)
Austria
Födelseort
Vienna, Austria
Yrken
Schriftstellerin
Priser och utmärkelser
Rauriser Literaturpreis (2018)

Medlemmar

Recensioner

"Das flüssige Land" von R. Edelbauer
:
Brüchiger nie
14. Oktober 2019
Die Idylle ist wieder da, in der Literatur deutscher Debütanten. Dass da etwas nicht stimmen kann, zeigt Raphaela Edelbauers Roman "Das flüssige Land". Nominiert für den Deutschen Buchpreis.

Von Hanna Engelmeier

Eher ruhig war es in der Literatur lange Zeit um die Idylle - wenig überraschend hinsichtlich der Großwetterlage, aber auch dessen, was literarisch interessant zu verarbeiten ist. Was soll man schon erzählen, wenn alles in schönster Ordnung ist? Zuletzt stand ein Roman in der Kritik, der eine mit Idylle garnierte Geschichte wenig überraschend als verdrehte Dystopie erzählt: In Karen Köhlers "Miroloi" (Hanser-Verlag) widerfahren der Protagonistin auf einer sogenannten "Schönen Insel" schreckliche Dinge. Die Welt des Romans ist ebenso archaisch gewaltvoll wie anheimelnd strukturiert. Zur Diskussion stand besonders Köhlers betont schlichter, fast kindlicher Manierismus sowie die Frage, ob das die geeignete Form für eine emanzipatorische Selbstfindungsgeschichte sei.

Raphaela Edelbauers Roman "Das flüssige Land" verhält sich in vieler Hinsicht komplementär zu "Miroloi". Die Erzählerin ist keine 15-jährige Unschuld von der Insel, sondern eine 35-jährige, mit diversen Psychopharmaka gedopte Hochleistungsphysikerin, die kurz vor der Habilitation steht. Nachdem Ruth Schwarz' Eltern bei einem Autounfall ums Leben kommen, möchte sie zur Vorbereitung einer Ansprache bei ihrer Beerdigung deren Biografien besser verstehen. Zu diesem Zweck macht sie sich von Wien aus auf in die österreichische Provinz, um in eine Region namens Groß-Einland zu gelangen, in der ihre Eltern aufwuchsen.

Tief in den Wäldern eines nicht näher bezeichneten Teils des doch eigentlich nicht so unübersichtlichen Österreichs stößt sie schließlich auf ein Städtchen, dessen Flair sie sich nicht entziehen kann: "Groß-Einland war von unfassbarer Schönheit, ähnlich der Kulisse eines Mittelalterfilms, in dem die Hochphase des Handwerks an makellosen Fassaden entlang ausgewiesen wird." Hier bleibt Ruth nun für sie selbst überraschend mehrere Jahre, denn nicht nur ästhetisch bewegt sie sich scheinbar in der besten aller denkbaren Welten. Auch sozial ist auf den ersten Blick alles in Butter: "Jeder Bewohner besaß eine genau bezifferte Bedeutsamkeit in diesem sozialen Gefüge, die man mit Händen greifen konnte, denn sie war hierarchisch und wurde ihren Bedingungen nach meist offengelegt. Die einfachsten Verrichtungen hatten etwas Magisches an sich."

Ein Hohlraum destabilisiert den Boden, auf dem dieser unheimlich schöne Teil Österreichs erbaut ist
Weil wir uns aber in einem Roman für die Großen und nicht in einem Pixie-Buch für die Kleinen befinden, stellt sich heraus, dass die Heimeligkeit schwer zu übersehende Risse hat. Praktischerweise darf das ganz wörtlich aufgefasst werden: Unter Groß-Einland befindet sich ein riesiger Hohlraum namens "das Loch", der den Boden destabilisiert, auf dem dieser unheimlich schöne Teil Österreichs erbaut ist. Ab dem Moment, in dem das Ausmaß des metaphorologischen Interesses Edelbauers an diesem Loch deutlich wird, erhält auch die Grenze zwischen Roman und Pixie-Buch Groß-Einland-mäßige Risse.

Denn dieses Loch dient nicht nur den Bewohnern als Halde, auf der sie ihren Bauschutt verklappen, es dient auch dem Buch dazu, seinen Plot in Richtung Vergangenheitsbewältigung auszudehnen. Es kommt heraus, dass Groß-Einland, das von einer schrecklich-jovialen Gräfin beherrscht wird ("Ich bin die Ulrike", stellt sie sich irgendwann vor), eine düstere Vergangenheit hat. Der Reichtum der Gräfin beruht nämlich nicht zuletzt auf der Arbeit ungarischer Zwangsarbeiter, die während des Zweiten Weltkriegs für die Industriellenfamilie, der die Gräfin entstammt, ausgebeutet und dann ermordet wurden. Das Loch ist der Ort, an dem Groß-Einland seine Gewaltgeschichte verscharrt.

Wer Idylle sagt, muss Verdrängung meinen: Dieser nicht ganz taufrische Gedanke spielt sowohl bei Edelbauer, als auch in Köhlers "Miroloi" eine zentrale Rolle. Köhler greift auf einen nervtötenden Simplizissimus, Edelbauer auf einen ins Schnörkelige driftenden Stil zurück, um die Unerreichbarkeit einer heilen Welt angemessenen poetisch abzubilden. Der Abstand zum unterstellten Alltagserleben des Publikums ist damit geschaffen. Es fragt sich aber, ob ein Publikum, das den Weg zu diesem Buch gefunden hat, aufklärungsbedürftig beispielsweise hinsichtlich der Tatsache ist, dass es leider doch keine Welt gibt, die frei von überzogenen Ansprüchen an Habilitandinnen ist, dafür aber voller sozialen Friedens und in gutem Einvernehmen mit der historischen Verantwortung für den Faschismus.

Dass ihre Welt so gut nicht ist, erfährt Ruth, als ihre Fähigkeiten als Physikerin in Dienst genommen werden, um den Hohlraum mithilfe eines Füllmaterials zu befestigen, das sie selbst erfindet. So erhält sie Zugang zu Unterlagen über die Geschichte des Ortes, in denen sie etwas über die unmittelbare Vorgeschichte des Todes ihrer Eltern erfährt. Diese waren ebenfalls nach Groß-Einland zurückgekehrt, um mehr über dessen verleugnete Vergangenheit herauszufinden, die offenbar stark mit ihrer eigenen Biografie zusammenhängt. Anhand der Tagebuchaufzeichnungen eines weiteren Groß-Einländers rekonstruiert Ruth, dass es sich bei ihren Großeltern um Juden handelte.

Selbst für gutgläubige und zugewandte Leserinnen wird der Roman da zur Zumutung
Spätestens an dieser Stelle wird der Roman, der von fiktiven Auszügen aus Ruths Habilitation und Archivmaterialien durchsetzt ist, zu einer Zumutung selbst für gutgläubige und zugewandte Leserinnen und Leser: Nun gut, es gibt da also dieses Loch - unklar, wie das statisch gehen soll, und warum die fast habilitierte Physikerin so zugeknöpft ist, was statische Details angeht. Nun gut, schuld an allem ist unter anderem "die Ulrike", und ja, vermutlich, weil ihre Familie mit den Nazis zusammengearbeitet hat, schlimm genug, man kennt das, die Hoffnung auf nähere Ausführungen dazu gibt man spät auf. Und okay, die Risse in der Erde symbolisieren die Risse in den Gewissheiten der Erzählerin, viel Halt scheint sie bei ihrem Codein-Konsum nicht gehabt zu haben. Ihr nun aber auch noch jüdische Großeltern zu verpassen, die das Ausmaß an Involviertheit in die Geschichte Groß-Einlands steigern, wirkt plotstrategisch wohlfeil und historisch frivol.

Sowohl die Anbindung des Romans an die Gegenwart, als auch an die Geschichte ist äußerst lose gestrickt: Gegenwart wird er durch seine eskapistische Grundanlage los. Unter anderem stellt sich nach Ruths Ankunft heraus, dass herrlichste Glasfaserkabel unter Groß-Einland befindlich sind, die aber niemand nutzen möchte. Kein Interesse am Internet, ihr Handy vernichtet Ruth schon auf der Hinfahrt. Ein Supermarkt im Ort und ein Fernseher hingegen stören keinen großen Geist, der Roman schreitet antiquiert tönend voran. Die reale Vergangenheit, insbesondere die des Austrofaschismus und der Shoah, ist mit den Stichworten Mauthausen, KZ, Zwangsarbeiter abgesteckt, der Rest sind von Edelbauer selbst erdachte Spezialmythen ihres im verwunschenen Wald gelegenen Horrorörtchens. Während es einerseits erfrischend ist, dass es hier jemand mit dem Ausdenken so ernst nimmt, wäre es auf der anderen Seite erleichternd, wenn der Eindruck entstünde, dass es sich mit der historischen Recherche ebenso verhält.

Dass die einzige Heimat, die Ruth je gekannt hat, nur als eine Art Albtraum Realität hat, wird ihr deutlich, als sie schließlich den Absprung schafft und nach Wien zurückkehrt: "Ich würde schon abends, dachte ich, am Donaukanal sitzen, in dieser schnurgeraden Betoneinfassung des Flusses, und Menschen aus allen Nationen würden mit Lautsprechern und Dosenbier in der Hand an mir vorbeirinnen. Groß-Einland wäre mir nichts mehr als ein merkwürdiger Traum, wenn ich den Faden, wo ich ihn verloren hatte, wieder ergriffe."

Die Botschaft gilt offenbar als überzeugend: Der Roman steht auf der Longlist des Buchpreises
Eine von vielen Menschen unterschiedlicher Herkunft, Traditionen und Ethnien mehr oder weniger friedlich bewohnte Großstadt ist hier die eigentliche Insel der Seligen. Viel spricht dafür, dass dieser am Ende angerufene Ort die Gegenwelt und sogar das Gegengift zu der Homogenisierungsfantasie ist, die Edelbauer mit Groß-Einland entworfen hat. Mühsam ist jedoch die Beflissenheit, mit der das Buch auf das Publikum einhämmert, dass der feste Grund, auf dem wir auch an solchen Orten zu stehen glauben, längst ein flüssiges Land geworden ist. Dass es sich bei unserer Gegenwart um eine immer schon instabile Welt handelt, die auf Fiktionen beruht.

Diese Botschaft wurde offenbar für so überzeugend gehalten, dass Edelbauers Debüt wie Köhlers "Miroloi" auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis gelandet ist. Die Mischung von zeitgeistigen Themen mit Archaik und Fantastik scheint einen Nerv zu treffen. Möglicherweise auch, weil sich die Autorinnen die Mühe machen, den Blick vom eigenen Nabel abzuwenden, die Perspektive zu erweitern - und im Fall von "Das flüssige Land" mit einer Reflexion auf den (österreichischen) Umgang mit der Geschichte zu verbinden. Allerdings arbeiten sowohl Edelbauers, als auch Köhlers Versuche, eine brüchige Idylle als Genre zu aktivieren, in dem sich der Verlust von Eindeutigkeit gut modellieren lässt, unablässig mit Vereindeutigungen. Unschuldige Frauen gegen böse Männer, hübsche Fassaden gegen düstere Löcher, Erinnern gegen Vergessen, multikulturelle Großstädte gegen homogene Dörfer, der Zeit entrückte Inseln gegen stressige Moderne. So entsteht zumindest in diesen Romanen ideologische Übersichtlichkeit, offene Fragen, Mischzustände, Uneindeutigkeit bieten sie nicht an. Es ist sehr schade, dass zwei mit zeitgenössischen Konflikten so vollgesogene Bücher so weltarm geraten sind.

Raphaela Edelbauer: Das flüssige Land. Roman. Klett-Cotta, Stuttgart 2019. 350 Seiten, 22 Euro.

Dieser Text ist zuerst am 11. September 2019 in der SZ erschienen.
… (mer)
 
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elwetritsche | 3 andra recensioner | Feb 7, 2023 |
Die Eltern der Physikerin Ruth sterben bei einem Unfall und wollen in Groß-Einland beerdigt werden. Das Stellt Ruth vor Probleme, denn der Ort entzieht sich und lässt sich nicht so einfach ausmachen. Als Ruth dann doch dort eintrifft, ist einiges sehr merkwürdig. Unter Groß-Einland ist ein riesiger Hohlraum, der den Ort zu verschlingen droht. Das scheint aber niemanden zu kümmern. Die Bewohner sind seltsam und schweigsam und dann gibt es noch eine Gräfin, die über alles zu bestimmen scheint. Ruth geplanter Aufenthalt verlängert sich immer mehr. Je tiefer sie in die Geheimnisse des Ortes eindringt, umso mehr Widerstand spürt sie.
Die Geschichte ist für mich genauso löcherig, wie der Untergrund unter Groß-Einland. Ich habe mich ziemlich schwer getan mit diesem Buch, obwohl ich die Idee an sich ansprechend finde. Mit der Protagonistin Ruth konnte ich auch nicht viel anfangen, denn ihr lethargisches Verhalten gefiel mir nicht. Vielleicht lag ihr merkwürdiges Handeln aber auch an ihrem Tablettenkonsum.
Das Buch ist voller Andeutungen und es werden eine Menge Fragen aufgeworfen, aber Auflösungen dazu gibt es keine. Auch das Ende lässt mich recht ratlos zurück.
Dieser außergewöhnliche Roman konnte mich leider nicht fesseln.
… (mer)
 
Flaggad
buecherwurm1310 | 3 andra recensioner | Dec 21, 2019 |
Die 35-jährige Physikerin Vera verliert ihre beiden Eltern bei einem Autounfall. Daraufhin macht sie sich auf in den Ort Groß-Einland, wo die Eltern begraben werden wollten. Groß-Einland ist aber nicht zu finden, erst durch Zufall kommt sie an diesen Ort. Sobald sie einmal drin ist, beginnt ein verwirrendes Existieren aus Zeit und Raum gefallen - Vera kommt nicht mehr los von diesem Ort, der von einer seltsamen Gräfin regiert wird und den ein immer größer werdendes Loch im Boden zu verschlingen droht.
Mir hat das Buch wesentlich besser gefallen als gedacht. Ich fand es erstaunlich gut und schlüssig zu lesen. Sprachlich ist kaum etwas daran auszusetzen, auch wenn es aus meiner Sicht die Auszüge aus Ruths Habilitationsschrift nicht gebraucht hätte.
Die Geschichte selbst scheint eine Parabel auf das kollektive Vergessen zu sein. Groß-Einland ist vordergründig idyllisch. Das alles verschlingende Loch, das natürlich viel mit dem Nationalsozialismus zu tun hat, wird dazu genutzt, einfach alles hineinzuwerfen. Das überzeugt zunächst nicht, da die Protagonisten schon viel zu lange weg sind vom Krieg, ihn selbst nicht erlebt haben, keine eigene Schuld tragen. Dann aber überzeugt es doch, wenn man das Wahlverhalten der Österreicher ansieht, den Umgang mit Geflüchteten usw. Da wird Groß-Einland dann schnell eine Parabel auf Österreich heute. Und die erscheint mir ausgesprochen gelungen. Groß-Einland schottet sich ab, Fremde dürfen nicht hinein, die Regierung ist nicht demokratisch und vieles mehr. Als Vera am Ende mit ihrem eigenen Auto den Ort verlässt, dringt aus dem Radio Andreas Gabalier an ihr Ohr. Er ist vermutlich für die Autorin wie auch für mich ein Sinnbild für Österreich heute. Aber das Radio lässt sich ausschalten, die Erinnerungen lassen sich ins Loch werfen. Man muss sich also nicht konfrontieren.
Insofern ist das Buch doch sehr geschickt angelegt und gefällt mir im Nachdenken mehr und mehr. Denn irgendwie ist die Idylle ja auch faszinierend. Das Essen ist so viel besser als das globalisierte Supermarktessen „draußen“, die Menschen haben ihren Platz, es ist für alles gesorgt. Der Stress der Habilitation entfällt für Vera. Es gibt zwar scheinbar keine Kinder und somit keine Zukunft, aber die Gegenwart läuft gut, bis auf das bedrohliche Loch.
Ich finde das Buch also gut. Es ist gut zu lesen, viel besser als man der Beschreibung nach meinen könnte. Und es gibt Stoff zum Nachdenken.
… (mer)
 
Flaggad
Wassilissa | 3 andra recensioner | Dec 6, 2019 |
Der plötzliche Unfalltod ihrer Eltern wirft Ruth Schwarz völlig aus der Bahn; als ihre Tante dann noch erwähnt, dass die Eltern aufgrund ihrer engen Beziehung zu Groß-Einland dort beerdigt werden sollten, ist sie völlig verwirrt. Was ist das für ein Ort, von dem sie nie etwas gehört hat? Die Wiener Physikerin macht sich auf in die Provinz und findet tatsächlich ein beschauliches Städtchen diesen Namens, das völlig aus der Zeit gefallen zu sein scheint. Eigentlich wollte sie nur kurz dort bleiben, aber ein seltsames Naturphänomen weckt ihre Neugier: Mitten im Ort befindet sich ein großes Loch, das den ganzen Lebensraum regelrecht aufzusaugen droht. Doch nicht nur dieses Loch und seine Geschichte ist höchst mysteriös, auch die Bewohner, allen voran die alles wissende und bestimmende Gräfin, lassen Ruth wundern und nicht mehr los. Aus der kurzen Visite wird plötzlich ein immer längerer Aufenthalt.

Raphaela Edelbauers Roman ist gleich für zwei Auszeichnungen nominiert, er steht sowohl auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis, wie auch auf jener für den Österreichischen Buchpreis 2019. Unweigerlich ist da die Neugier besonders groß, zwei Jurys können sich kaum irren. Was die Nominierung jedoch nicht verrät, ist, dass nicht jedes Buch zu jedem Leser passt und „Das flüssige Land“ setzt voraus, dass man das märchenhafte und fantastische Element entweder sowieso liebt oder großzügig darüber hinweglesen kann. Wer auf authentische Handlung steht, ist bei diesem Roman eher schlecht beraten.

So verlangte der Text mir auch einiges ab. Bisweilen hatte ich den Eindruck Mitten in „Alice im Wunderland“ gelandet zu sein. Das Raum-Zeit-Kontinuum scheint aufgehoben und das Figurenpersonal ist ein Sammelsurium von Kuriositäten, allen voran die Gräfin. Das hat einen gewissen Reiz, wird auch sprachlich ansprechend und überzeugend umgesetzt, entbehrt gleichermaßen aber jeden Realismus. Zwar wird die Handlung immer wieder historisch wie auch naturwissenschaftlich eingebettet, aber so ganz wurde ich den Eindruck der Fantasiewelt nicht los. Das Mysterium um das Loch bietet ein gewisses Spannungsmoment, wird aber etwas zu langatmig abgehandelt. Auch das Ende kann mich nur bedingt überzeugen, zu bemüht wird die Ordnung wieder hergestellt.

Man den Roman womöglich als Parabel lesen, die unter anderem Fragen nach dem menschlichen Umgang mit der Umwelt, nach ethischer Verantwortung und vermeintlichem kollektivem Gedächtnisverlust oder auch der fragwürdigen Gesellschaftsstruktur aufwirft. Vielleicht erfreut man sich auch einfach an der geradezu fabelhaften Welt mit ihren kuriosen Figuren. Literarisch so gar nicht meine Welt, weshalb mich der Roman nicht wirklich erreichen konnte. Gerettet hat ihn der Schreibstil, viele pointierte Zuspitzungen, die gekonnt formuliert sind und ein in sich stimmiges Szenario mit liebevoll gestalteten Figuren.
… (mer)
1 rösta
Flaggad
miss.mesmerized | 3 andra recensioner | Sep 12, 2019 |

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